Der Bandscheibenvorfall Teil 5: Ernährung

Auf dieser Seite folgt ein Beitrag von Fr. Dr. DC Julie Johnson über die Möglichkeiten durch Nahrungsergänzung und Ernährung auf den Zustand der Bandscheiben einzuwirken. Zuerst aber eine Vorstellung der Autorin. Fr. Dr. Julie Johnson -Chiropraktikerin – ist als wissenschaftliche Assistentin im Palmer College of Chiropractic in Iowa tätig. Ihr Spezialgebiet ist die Diagnostik und Therapie von Rücken– und Bindegewebserkrankungen, wobei sich diese Diagnostik und Therapie vom europäisch – orthopädischen Ansatz her wesentlich unterscheidet. Ihre Strategie ist es, die Ursachen einer Erkrankung, also den Weg der zur Erkrankung geführt hat, aufzudecken, um dann therapeutisch möglichst früh im Krankheitsprozess heilend eingreifen zu können. Bei der Therapie nutzt sie die Erkenntnisse von Ernährungswissenschaft, Bakteriologie, Toxikologie und Naturheilkunde. Dabei arbeitet sie mit dem Center For Disease Control, dem weltweit führenden Zentrum für Krankheitskontrolle und Krankheitsvorsorge, in Atlanta zusammen.

An die Bandscheiben verschwenden die meisten Menschen keinen Gedanken, bis zu dem Moment wo sie Ärger machen, d.h. wo sie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen verursachen. Wie die meisten, die jemals Bandscheibenprobleme gehabt haben, wohl bestätigen können, kann dieses Problem den Betroffenen von einem Moment zum anderen vollständig bewegungsunfähig machen. Dieser Beitrag wird die anatomische Funktion dieser Körperregion darlegen und anschließend aufzeigen, wie Bandscheibenerkrankungen vorgebeugt werden kann.

Die Wirbelsäule hat eine sehr schwierige Aufgabe. Sie muss gleichzeitig der mechanischen Anforderung gerecht werden, eine stabile Basis für die Körperbewegungen zu bilden, sie muss aber auch so flexibel und adaptiert plastisch sein, dass sie den Erfordernissen des Alltags an Beweglichkeit gerecht wird. Der Teil der Wirbelsäule, der das Fließen der Bewegungen möglich macht, ist die Bandscheibe. Sie verbindet 2 Wirbelkörper miteinander und besteht aus 2 Teilen, nämlich dem Ring (anulus fibrosus) und dem Kern (nucleus pulposus).

Der zentrale Teil besteht aus einer gelantinösen Substanz. Er wird Bandscheibenkern genannt. Er funktioniert wie ein Ball, der zwischen 2 ebenen Platten liegt. Er ermöglicht die Bewegung in 6 Ebenen, nämlich Vorwärts– und Rückwärtsbeugung, links– und rechts– Seitenneigung und Rotationsbewegungen. Der Kern besteht hauptsächlich aus Wasser. Die Bandscheibe verfügt über keine eigene Blutversorgung. Es existiert also kein direkter Weg für die Nährstoffversorgung. Daher sind andere Wege für den Nährstofftransport nötig, um die Bandscheibe vor Nährstoffmangel und damit vor Schädigungen zu bewahren.
Der den Bandscheibenkern einhüllende Teil, ist der Bandscheibenring (anulus fibrosus). Er besteht aus Bindegewebsfasern. Seine wesentliche Aufgabe besteht darin, das Kernmaterial fest zu umschließen und so am Austritt (Vorfall) zu hindern. Der Ring ist so aufgebaut, dass er über lange Zeiträume einem hohen Druck standhalten kann. Es hat sich jedoch gezeigt, dass er, wie alles andere im Leben auch, schließlich versagen wird, wenn man ihn sich selbst überlässt.

Mit fortschreitendem Lebensalter  kommt es im Rahmen des Alterungsprozesses  zum Auftreten von nachteiligen Veränderungen. Diejenigen, die an der Oberfläche des Körpers auftreten, sind leicht wahrzunehmen, wie z.B. Falten im Gesicht, die zunehmende Anzahl grauer Haare oder die zunehmende Schwäche  des Körpers im Kampf mit der Schwerkraft. Sollte es nicht auch sehr wichtig sein, zu wissen, was der Alterungsprozess im Verbogenen des Körpers anstellt? Nur das Wissen versetzt uns in die Lage, den Prozess zu beeinflussen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Fasern des Bandscheibenrings schon in jungen  Jahren durch den Alterungsprozess verändern. So entstehen Einrisse in den verschiedenen Tiefen des Ringes. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, welche Rolle das für Sie spielt. Als Rückentherapeutin, die regelmäßig mit Rückenschmerzen und anderen Funktionsstörungen der Wirbelsäule zu tun hat, sehe ich, wie solche Veränderungen den Alltag im Leben eines Menschen beeinträchtigen können.  Eine Bandscheibe, auf die keine Rücksicht genommen worden ist, wird wohl später auch auf Sie keine Rücksicht nehmen. So kann es dazu führen, dass Sie keine sportlichen Aktivitäten mehr ausüben können oder Ihr Kind bzw. Enkelkind nicht hochheben können. Sogar die Bewältigung des Alltags kann schließlich zum Problem werden. In den USA  verursachen Bandscheibenerkrankungen schätzungsweise jährliche Kosten von über 50 Milliarden Dollar!  Rückenschmerzen sind die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit.

In Bezug auf die Gesundheit der Bandscheibe ist es das Endziel, die Schäden zu verhindern, die durch mangelnde Aufmerksamkeit entstehen: Bandscheibenvorfälle bzw. – vorwölbungen mit ihren Auswirkungen als akute oder chronische Schmerzen. Schmerzen, wo sie auch auftreten, sind immer Warnsignale ihres Körpers. Sie sind ein ganz wichtiges Signal, das sie darauf hinweist, dass bestimmte Veränderungen ihres bisherigen Lebensstil notwendig sind. Sowohl für den körperlichen als auch den seelischen Bereich gilt, dass Schmerzentstehung ein Prozess ist, der nicht  übergangen werden darf.

Im frühen Krankheitsprozess stehen viele Möglichkeiten zur Beeinflussung von bandscheibenbedingten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zur Verfügung. So z.B.: Stressverminderung, Ruhe, eine spezielle Diät, Biofeedback, chirotherapeutische Behandlung, Massage, Akupunktur und Naturheilmittel. Ich werde im Folgenden die Aspekte Naturheilmittel und Ernährung in ihrer Auswirkung auf die Bandscheibe erläutern. Wichtig in Bezug auf die Ernährung ist es, nicht nur auf die äußeren Aspekte wie Diät, Nahrungsergänzung und Wasseraufnahme zu schauen,  sondern auch darauf, wie diese Substanzen ihr Ziel, nämlich die Bandscheibe, erreichen. Es ist zwar schön und gut, wenn man viel verheißende Substanzen zu sich nimmt , aber wem nützt es, wenn sie ihr Ziel, nämlich die Bandscheibe, nicht erreichen?

Die BS ist wie ein Schwamm, der beim Zusammendrücken einen Teil seiner Flüssigkeit abgibt, um bei Entlastung wieder neue Flüssigkeit aufzunehmen. Auf diese Weise nimmt die BS die im Wasser gelösten Nährstoffe auf. Wenn wir morgens das Bett verlassen um unser Tageswerk im Stehen zu verrichten, kommt es durch die Schwerkraft dazu, dass der Bandscheibenkern Teile seines Wassers verliert. Dieser Mechanismus bedingt, dass die gesamte Wirbelsäule bis zum Abend ca. 2 cm an Höhe verliert. Der umgekehrte Prozess findet beim Hinlegen statt. Der Kern füllt sein Wasserreservoir wieder auf. Wenn diese Prozesse nicht ungestört verlaufen, entwässert der Kern zusehends. Schon der normale Alterungsprozess der Bandscheibe beinhaltet, dass der Bandscheibenkern immer weniger Wasser aufnehmen kann, da die wasserbindenden Substanzen (Chondroitine) nur noch in geringen Mengen im Kern vorhanden sind. Wenn die Wasseraufnahme darüber hinaus durch einen Mangel an Ruhe (liegen),  an Wasseraufnahme (trinken) und an Bewegung eingeschränkt wird, nimmt der Schaden der BS noch weiter zu.
Einige diätische Maßnahmen sollten täglich eingehalten werden. Sie dienen sowohl der Vorbeugung beim Gesunden als auch der Behandlung des BS-Erkrankten.

1. Die Aufnahme von reinem Wasser in ausreichender Menge ist eine wichtige Bedingung.

2. Tierische Fette sollten reduziert werden.  Sie liefern die Arachnoidonsäure, eine Substanz, die den Entzündungsprozess unterstützt.

3. Fische –z.B. Makrelen, Heringe, Lachs- oder Muscheln, sollten wegen ihres hohen Gehalts an α-Omega-Fettsäuren bevorzugt werden, die eine starke antientzündliche Wirkung haben.
Bevorzugen Sie Nahrungsmittel, die Vitamin K, Vitamin C und Kupfer enthalten.  Das sind z.B.: Brokkoli, Kopfsalat, Kohl, Spinat, Orangen, Karotten, Knoblauch und Ingwer. Es besteht ein reichhaltiges Angebot an diesen Nahrungsmitteln und man kann aus ihnen viele Gerichte zubereiten.

Ich empfehle meinen Patienten, dass Sie ihren  Nährstoffbedarf möglichst durch frische, unbehandelte Nahrungsmittel decken. Die Natur hat für uns gut vorgesorgt. Nahrungsergänzungsmittel dienen oft der Bequemlichkeit. Sie haben ihren Stellenwert in Lebenssituationen, die stressvoll und energieraubend sind. Sie können aber nur eine Ergänzung zur gesunden Ernährung sein!

Unter Berücksichtigung dieser Betrachtungsweise setzte ich bei meinen Patienten einige Nahrungsergänzungsmittel ein, die für die  Ernährung der Bandscheibe und des umliegenden Bindegewebes nötig sind. Sehr hilfreich sind Multivitaminpräparate, die sowohl Vitamin A,C und P enthalten. Der Vitamin P Komplex, ein Bioflavonoid, auch als Rutin bekannt,  spielt eine wichtige Rolle bei der Resorption von Vitamin A und C  und ist für die Gesunderhaltung der Kapillaren und des Bindegewebes wichtig.

Die Zufuhr von Calcium und Magnesium ist beim Vorliegen von Bandscheibenschäden auch entscheidend.

Naturheilmittel, die eine Wirkung beim tiefen Rückenschmerz zeigen, sind Cayennepfeffer, Nelkenöl, Kamille, und Rosskastanie. Speziell für die Bandscheibe werden Schachtelhalmkraut und kalifornischer Goldmohn (zur Schmerzbekämpfung) eingesetzt. Kombinationspräparate, die Viburnum opulus , Ingwer, Himbeerblätter und Wild Yam (Yamswurzel) enthalten wirken muskelentspannend und wirken darüber schmerzverringernd.

Zum Abschluss sei gesagt: Viele Wege führen nach Rom. Vert Mooney, Präsident der International Society for the Study of the Lumbar Spine, sagte in einer Rede: „Die Wirbelsäule ist ein einzigartiges Organ. Hier gelten Gesetzmäßigkeiten, die es beim Bindegewebe  anderer Körperstrukturen nicht gibt.“

Welche Behandlung auch immer erfolgt, so ist der Umgang mit Schmerz und Entzündung bei jedem einzelnen Patienten eine spezifische Aufgabe. Da der Schmerz ein Warnsignal ist, das durch körperliche Fehl– Überlastung, seelischen Stress oder toxische Belastungen ausgelöst werden kann, ist es wichtig, dass Sie in sich hineinhören, wo die Quelle ihrer Schmerzen liegen kann.  Nur Sie leben in ihrem Körper. Wenn Sie erkennen, dass Sie ihr bester Verbündeter im Kampf gegen ihr Bandscheibenleiden sind, werden alle an der Behandlung beteiligten Personen davon profitieren.

Dr.med. Uwe Diedrich

Allgemeinarzt und Chirotherapeut mit niedergelassener Praxis in Norderstedt, Schleswig Holstein.

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